Wie ragen sie so stolz und hoch empor,
Umgeben von der Berge grünem Kranze!
Aus weiter Ferne grüßt Westfalens Tor
Und rings die Welt im Sommersonnenglanze.
Hoch über ihnen zieht der Wolken Schar
In wechselnden Gebilden in der Ferne,
Doch diese Felsen stehn unwandelbar,
Und über ihnen glänzen ew`ge Sterne.
Vom See herauf ertönt ein Waldgesang,
Die Welle rauscht von raschen Ruderschlägen;
Aus weiter Ferne klingt`s wie Glockenklang
Als wär`s ein feierlicher Abendsegen.
Ihr lichten Höhen und ihr Täler weit,
Ihr Riesenfelsen dort im stillen Grunde
Seid mir gegrüßt, aus grauer Väterzeit
Bringt ihr den spätsten Enkeln alte Kunde.
Was sie geschaut in längst vergang`ner Zeit,
Das künden uns die alten Heldensagen.
Sie sahn der deutschen Stämme blut`gen Streit,
Sie sahn Arminius seine Schlachten schlagen.
Das Alte fiel in harter Zeiten Lauf,
Die Völker kamen und die Völker gingen,
Ein neu Jahrtausend stieg vor ihnen auf:
Und weiter geht’s im heißen Völkerringen!
Wie du mich treu begleitest
Auf meiner Wanderschaft,
An Mutterhand mich leitest,
Du Land voll Morgenkraft.
Wohin den Stab ich hebe,
Dein Auge sieht mich an
Und spricht: "Vertrau und lebe,
Mein Sohn und Wandersmann."
Wohin die Füße schreiten
In nimmermüder Lust,
Dein Feld und Anger breiten
Sich weit in meiner Brust.
Geruhig steht mein Wille
Wie dieser Felsen Hang;
Durch meines Herzens Stille
Rinnt deiner Ströme Klang!
Jahr: 1926