Wo ein Haus mit treuen Händen alte Kraft und Zucht bewahrt,
dem gedeiht in seinen Wänden wohl ein Kind besondrer Art:
Aller Ahnung innig Walten scheint an ihm hervorzugehn,
sich noch reiner zu entfalten — solch ein Menschenkind ist schön.
Sie erzählt, wie die Spaliere an des Hauses Südwand stehn,
und wie drollig junge Tiere, die sie aufzog, anzusehn:
wie sie dann vom Wald erzählte und der Bauernschaft im Wald!
Und wie jedes Wort beseelte ihrer Stimme klarer Alt!
Unser Müh'n pflanzt Dornensträucher, dran man karge Beeren sucht,
doch von ihrem Schritte reicher aus dem Acker steigt die Frucht,
Wir vollenden mit Beschwerde, unser Wohltun währt erst lang,
doch ihr Wandel gleicht der Erde gütigem und großem Gang.
Daß noch solche Wesen werden, das gibt Hoffnung, das gibt Mut;
Freunde, es ist gut auf Erden, unter Menschen ist es gut!
Seht, wie überall das Leben insgeheim auf Wohltat sinnt,
und welch Pfand dem übergeben, welcher sie zum Weib gewinnt!
Deutsche Dichter & Denker
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
Alle Dichtungen
Eene Berliner Schnauze mit Herz
Die janzen Bonzen aus Berlin,
wissen die noch, wen se dien'?
Dem deutschen Volke bestimmt nich mehr.
Dem uff's Maul zu kieken is anschein'd zu schwer.
Se dienen nur fremden Herren,
keen schwarz, rot und jold,
Landsleute als politische Jefangene wegsperr'n.
Is ditt vielleicht och so jewollt?
Watt uns heute jesacht wurde, lügenfrech ins Jesicht,
'tressiert den Bonzen morgen een feuchten Kehricht.
Va'eint mit der Systempresse setzen se immer noch een druff
und fressen am nächsten Tach ihre eig'ne Schnauze uff.
Sach ma, wie lang soll ditt noch jehn?
Findest du ditt etwa schön?
Der Souverän, ditt sind wir!
Eene deutsche Zukunft,
dafür kämpfen wa hier!
Eine Frau wird von einem rechten Mann auf drei Arten geliebt:
Als geliebtes Kind, als Gattin und als Göttin!
Wen schreckst du denn, Novembersturm?-
Im faulenden Geäst
die Maden, Larven und den Wurm!
Uns schreckst du nicht – wir stehn, ein Turm
aus Stein und Eisen fest.
Und keiner wird sich bergen,
weil rings ein Hauf von Zwergen
sich duckt ins warme Nest.
Verwelktes Laub, verdorrte Frucht,
fahrt hin, es ist nicht schad,
wer mit dem Tod zu feilschen sucht,
den hat Allvater schon verflucht,
er weist ihm keinen Pfad.
Im Zagen und Besinnen
wird jede Kraft zerrinnen,
zur Reife wie zur Tat.
Ja, gestern noch, wie war es doch,
ging die Verzweiflung um,
die einen krochen feig ins Loch,
die andern keuchten unterm Joch
demütig, krumm und stumm,
bis wir sie endlich scharten
um unsre Kampfstandarten
zu neuem Rittertum.
Wir sind ein ehernes Geschlecht
und weichen keinem aus.
Der Feind, der sich das anders dächt‘,
soll wissen: Wir sind nicht mehr Knecht
in unserm eignen Haus-
was wir mit Blut bezahlten,
das werden wir behalten
trotz Sturm und Wettergraus!
Ich lieg in Deinen Armen
Und halte Dein heiliges Herz
Ich höre Deinen Atem
beruhigend, leise
und spüre Deinen
ewigen Schmerz
Von Menschen verstoßen
Zertrampelt mit Füßen wie Dreck
Ohne Rücksicht auf Dich
Ohne Rücksicht auf Morgen
Ohne Herz - hinter Lügen versteckt
Mein Halt und Zuhause
Bleibst im Herzen für Ewige Zeit
Wird der Mensch noch erwachen
und Liebe verspüren?
Wie viel Zeit ihm bis Morgen verbleibt?
In England und Holland wägt man den Mann nach seinem Gelde,
bei uns nach Ahnen und Titel,
in Frankreich nach Witz und Manieren;
unsere Alten aber wogen nach Stärke und Tapferkeit!
Betrachten wir etwa die Freiheiten und Rechte des Einzelnen in ihrem Verhältnis zur Autorität. Sie werden durch die Verfassung bestimmt. Freilich wird man immer wieder und leider wohl auch noch für längere Zeit mit der Verletzung dieser Rechte rechnen müssen, sei es durch den Staat, sei es durch eine Partei, die sich des Staates bemächtigt, sei es durch einen fremden Eindringling oder durch kombinierte Zugriffe. Man kann wohl sagen, daß sich die Massen, wenigstens bei uns zulande, in einem Zustand befinden, in dem sie Verfassungsverletzungen kaum noch wahrnehmen. Wo dieses Bewußtsein einmal verloren gegangen ist, wird es künstlich nicht wieder hergestellt.
Der Griechen Götter wurden laut gepriesen,
Ägyptens Götzen grub man aus dem Staub.
Man wühlt und wühlt in Romas Marmorfliesen
Um zu entringen der Vernichtung Raub,
Was tausende von Jahren eingeschachtet.
Germanengötter blieben unbeachtet.
Vergessen und allein in kühler Grotte
Weilt Saga, von Erinnerung genährt,
Die ihr zurückruft, wie sie einst dem Gotte
In gold'ner Schale Weisheitstrank gewährt,
Und ihm erzählte von den Urweltstagen.
Vor Odin lag die Wahrheit aufgeschlagen.
Zu Sagas Füßen rauscht ein Strom vorüber,
Des' schwell'nde Flut das Schöpfungsreich durchfließt,
Der Strom der Zeit! der heller oder trüber
Doch unaufhaltsam seine Wasser gießt
In's Meer der Ewigkeit - Den Strom begleiten
Das Weltgeschick, die Weltbegebenheiten.
Lang klagte Saga, doch von ihrem Throne
Erhob sie sich, mit den Asen neu vereint.
Auf ihrem Haupt strahlt der Götter Krone,
Klar sind die Augen, die im Schmerz geweint.
Von Neuem lasset ihre Sagen klingen,
Asenruhm und Götterzeit besingen!
Was die Herde am meisten hasst,
ist derjenige, der anders denkt;
es ist nicht so sehr die Meinung selbst,
sondern die Kühnheit,
selbst denken zu wollen!!
O heilig Herz der Völker, o Vaterland!
Allduldend, gleich der schweigenden Mutter Erd,
Und allverkannt, wenn schon aus deiner
Tiefe die Fremden ihr Bestes haben!
Sie ernten den Gedanken, den Geist von dir,
Sie pflücken gern die Traube, doch höhnen sie
Dich, ungestalte Rebe! daß du
Schwankend den Boden und wild umirrest.
Du Land des hohen ernsteren Genius!
Du Land der Liebe! bin ich der Deine schon,
Oft zürnt ich weinend, daß du immer
Blöde die eigene Seele leugnest!
Hallo, hallo
An die Personal-Schaltzentrale
Da hüpft wer aus der Reihe
Sprengt jedwedes Ohm
Objekt A. H. lange Haare
Bewegt sich zu oft gegen den Strom
Und stört damit die Destabilisierungs-Spirale
Ihr eigener Wille ist einfach enorm
Sie ist viel zu kritisch
Und fühlt zu sich zu frei
Beherrscht ihr Atom
Und so systematische Dinge
scheinen ihr irgendwie einerlei
Sie tanzt auf des Messers Klinge
Die Sache ist
Sie ist gewitzt
Sie hat so manchen Geistesblitz
Und rebelliert meistens still
Sie geht nicht gradeaus
Hüpft manchmal im Kreis
Pfeift auf die Regeln als wär's ihr egal
Und überhaupt
Sie macht was sie will
So geht das nicht
Das ist im System total illegal
Hallo, hallo
An die Befehls-Instanz
wir haben verstanden
Da haben Sie Recht
Wir bringen sie in Dissonanz
Und werden einen Agenten schicken
Oder eine Art Bekannten
Und mal in ihre Seele blicken
Da gibt's ein Programm
Aus Glimmer und Glanz
Das bringt sie vielleicht in die Konstante
Das schalten wir bei ihr jetzt an
Wie sieht es aus
Ist sie schon Licht?
Wie groß ist ihr Draht zu Artverwandten?
Oder interessiert sie sich für ihre Mitmenschen nicht?
Wie ist ihre Haltung?
Zeigt sie Gesicht?
Bitte vergessen sie zu antworten nicht
Wir haben verstanden
Personal-Schaltzentrale
Da liegt das Problem
Sie liebt Ecken und Kanten
Macht öfters Randale
Ist stark verbunden
Und wir haben gehört
Sie folgt ihrem Herzen
Mit sehr viel Liebe
Für alles im Geiste
Auch für die Menschen
Das hat schon den Ablauf im System gestört
Da ist die Sache
Mit dem Herz zu verstehen
Wirft zuviel Traumsand ins Getriebe
Nun hat sie bald das Spiel durchschaut
Und weiß sich von uns abzugrenzen
Weil sie auf Urvertrauen baut
Das stört massiv
Und entfaltet viel
Dazu spielt sie
Das Spiel des Glücks
Sie muss schnellstmöglich wieder ins System zurück
Das ist das Ziel
Okay, okay
Wir haben verstanden
Und konnten in ihre Akten schauen
Das ist wirklich ein Ding
Ein echtes Problem
Da gibt's sehr blumige Geschichten
Die um sie ranken
Wir wollten der Berechnung
Erst gar nicht trauen
Und nicht verstehen
Sie spielte auch schon mit Spiralen
Und schießt durch Zeitraum
Und durch Quanten
Verdreht manche Ecken
Verschiebt sämtliche Kanten
Und kann in die anderen Welten sehen
Mit keiner Faser hat sie uns je vertraut
Weiß
Wie man sich Brücken baut
Da gibt's die Befürchtung
Sie wird bald ganz gehen
Wie kann man das stoppen?
Was bringt sie zum wanken?
Wie können wir ihr den Weg verbauen?
Sie darf auf keinen Fall
Bis zur Enthüllung
Nicht zur Entfaltung
Zur vollkommnen Erfüllung
Wir müssen den Störfaktor
Noch mehr ausbauen
An die Personal-Schaltzentrale
Wir haben gehört
Hier sind so komische Signale
Wir denken
Wir werden in der Leitung gestört
Das Objekt A.H. langes Haar
Träumt sich davon...
Sie träumt sich bald frei
Wir müssen das lenken
Sie koppelt sich ab
Ist fast nicht mehr da
Bewegt sich
Richtung Lebensspirale
Das wird ein Notfall
Das ist ganz klar
Ihr Traum wird zu groß
Machen sie was
Das wird schon ganz knapp
Was machen wir bloß
Blablablabla
Ich hör nur Gebrabbel
Blabla
So,so
denk ich mir
Und die labern weiter
Das sind ihre Pläne
Die sind wirklich nicht heiter
Die schwarzen Schwäne
Ihre Missionen
Mich zu verführen
Zu den Teichen der Toten
Wo die Toten im Brei der Zerstörung rühren
Ich hör was die sagen
Seh die Zeichen und Boten
Ich höre das Fletschen der Zähne
Sie können sich gerne
Noch lang mit mir plagen
Mich konnte der Teufel noch nie verführen
Bei mir wird sein Spiel immer versagen
Auf meiner Erde
Kann ich jedes Wesen
Mit Liebe berühren
Da kann ich frei sagen
Ganz laut
Und ganz still
Und darf mich er-leben
Mich entfalten
Weil das Leben
Mich in Liebe leben will
Jahr: 2022
Und wenn uns nichts mehr übrig blieb,
So blieb uns doch ein Schwert,
Das zorngemut mit scharfem Hieb
Dem Trutz des Fremdlings wehrt;
So blieb die Schlacht als letzt Gericht
Auf Leben und auf Tod;
Und wenn die Not nicht Eisen bricht,
Das Eisen bricht die Not!
Ich stehe auf der feuchten Erde, die schon war,
als meine Vorfahren sie bebauten
und aus dem schöpften,
was ihre Vorfahren gedacht, gefühlt, gesprochen, getan.
Vater und Mutter, Großvater und Großmutter..,
sie alle sind der Weg, auf dem ich stehe,
Tor jener Quelle,
aus der ich trinke das Geheimnis des Lebens.
So stehe ich auf fruchtbarem Boden,
wohl gegründet, wenn ich`s gut nehme, wie es ist,
im Brennpunkt ewiger Gegenwart,
wo Neues sich ereignen soll.
Sie blicken freundlich auf mich nieder,
wenn ich das Leben gut empfange,
um neu zu säen und zu ernten,
für mich und die,
die nach mir kommen.
So schwinge ich im Strome vieler Generationen
und weiß mich liebend eins mit ihnen.
Ich achte sie und ihre Wege
und lasse bei ihnen ihr Trachten und Tun.
Ein jeder hat doch seinen Kreis der Würde,
in den ich mich nicht stellen darf.
Ein Blick noch voller Dankbarkeit zurück,
für euer sein und Wirken,
das in mir lebendig weiter fließt.
Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;
denen niemand als das eigne Herz,
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.
Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele ewige Sehnsucht trank.
Von Norden her kamen gefahren
In waffenerklirrendem Boot
Der Wikinger plündernde Scharen,
Verbreiteten Schrecken und Not.
Sie wollten nicht fleißig bebauen
In ehrlicher Arbeit das Feld.
Es raubten in Schleswiger Gauen
Die schrecklichsten Räuber der Welt.
Heut` haben die Dänen erkoren
Das Drachenschiff als ihr Symbol. -
Sie haben hier gar nichts verloren,
Sind Räuber – das meinen sie wohl.
Ihr Dänen erwerbt Euch nur Schande,
Wenn gierig ihr strecket die Hand !
Denn deutsch sind unsere Lande
Vom Ostmeer zum Nordseestrand.
So fest wie der Pflug des Bauern
Zieht Furchen am Ackerrand,
So fest wie die städtischen Mauern
Ist unser das Schleswiger Land !
Jahr: 1920
Wir tragen Masken am hellen Tag
papierenfein.
Die halten unser Menschensein
lächelnd gefangen.
Einer kann nicht zum andern gelangen.
Zwischen Menschen- und Menschsein
lächeln die Masken
papierenfein.
Bald werden Deine Kinder Dich verfluchen,
und fluchend Dich begraben,
ohne zu begreifen,
daß alles anders war,
nur weil wir geschwiegen haben!
Wenn mir im Ausland ein Mann aufstößt,
zu unbehilflich für einen Franzosen,
zu zeremoniös für einen Briten,
zu treuherzig für einen Italiener,
zu biegsam für einen Spanier,
zu lebhaft für einen Niederländer,
zu bescheiden für einen Russen, –
ein Mann, der mit schiefen Bücklingen sich andrängt, und mit unbeschreiblicher Entsagung allen huldigt, die er für vornehmer hält als sich, so sagt mir mein Herz und mein Blut im Gesicht:
Das ist dein Landsmann!
Wenn einem der Zeitgeist
mit der Zeit auf den Geist geht,
dann wird es Zeit,
dass ein neuer Geist lebt!
Heut warst du bei mir im Grasegarten
mit den fleißigen Händen, den häßlichen, harten.
dem feinen Näschen, dran vibrieren
verräterisch die feinen Flügel,
über die Fülle der warmen Hügel,
den starken Hüften, die dich zieren,
Du Bauernvenus, mein früher Traum!
Voller Früchte wie ein Apfelbaum
stehst du da: verborgen im Stamme
glüht die süße, verzehrende Flamme:
Ihr opfre ich alles, was ich habe.
Sei mein, du berauschende Honigwabe!
Sei mein Haus, mein Hof, mein Herd!
Erd' und Himmel bist du mir wert!
Anna, darben mit dir ist Genuß,
mit dir arm sein Überfluß.
Ich bin vom Berg der Hirtenknab,
Seh auf die Schlösser all herab.
Die Sonne strahlt am ersten hier,
Am längsten weilet sie bei mir,
Ich bin der Knab' vom Berge!
Hier ist des Stromes Mutterhaus,
Ich trink' ihn frisch vom Stein heraus,
Er braust am Fels in wildem Lauf,
Ich fang' ihn mit den Armen auf.
Ich bin der Knab' vom Berge!
Der Berg, der ist mein Eigentum,
Da ziehn die Stürme rings herum,
Und heulen sie von Nord und Süd,
So überschallt sie doch mein Lied.
Ich bin der Knab' vom Berge!
Sind Blitz und Donner unter mir,
So steh' ich hoch im Blauen hier;
Ich kenne sie und rufe zu:
Laßt meines Vaters Haus in Ruh!
Ich bin der Knab' vom Berge!
Und wann die Sturmglock' einst erschallt,
Manch Feuer auf den Bergen wallt,
Dann steig' ich nieder, tret' ins Glied
Und schwing' mein Schwert und sing' mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge!
Kleine Hand in meiner Hand,
Ich und du im jungen Grase,
Ich und du, im Kinderland
gehen wir auf der langen Straße:
Deine Hand in meiner Hand!
Kleine Hand in meiner Hand,
Die einander zärtlich fassen:
Ich und du, nichts hat Bestand.
Einmal, ach! muss ich dich lassen,
Kleine Hand aus meiner Hand.
Kleine Hand in meiner Hand,
Kleiner Schritt bei meinem Schritt,
Kleiner Fuß im weiten Land:
Einmal geh ich nicht mehr mit.
Einmal gehst du ohne mich,
Wie ein Traum mein Bild verblich.
Irgendwo im Osten liegt ein Grab.
Meine Seele sucht und wird nicht müde.
Was du warst, das bist du, heut’ und immer.
Schon ein Schimmer dieses Irgendwo,
wäre Trost für meine matten Tage.
Darf die Frage klingen?
Irgendwo im Osten liegt mein Grab.
Hast Du Blumen, Birken, -
Irgendwo?
Geistige Avantgarde zu sein ist immer die Sache einer Minderheit.
Mut ist immer erst dann mehrheitsfähig, wenn sich das Blatt der Geschichte gedreht hat.
Wer im Moment der Krise nicht alleine stehen kann, den weht der Wind der Geschichte bei der nächsten Gelegenheit um.
Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.
Aus solchem aufgezwungenen Frieden müßte neuer Haß zwischen den Völkern und im Verlauf der Geschichte neues Morden erwachsen.
Jahr: 1919
Denn die Geister hoher Weisen schweben
Nicht in Nacht sich hüllend aus dem Leben
In die Wohnung der Vergessenheit.
Ihre Weisheit waltet fort hier oben;
Ihrer Weisheit Götterwerke loben
Die Entschwebten bis in Ewigkeit.
Preis und Dank für ehrenwerte Taten;
Preis und Dank für das, was sie geraten,
Was sie wohl geordnet, wohl bestellt;
Für die Fackel, die sie hoch gehalten,
Die des Irrtums Chaos zu gestalten
Wandelloser Wahrheit aufgehellt!
Jahr: 1747 - 1794
Leicht verschwindet der Taten Spur
Von der sonnenbeleuchteten Erde,
Wie aus dem Antlitz die leichte Gebärde –
Aber nichts ist verloren und verschwunden,
Was die geheimnisvoll waltenden Stunden
In den dunkel schaffenden Schoß aufnahmen –
Die Zeit ist eine blühende Flur,
Ein großes Lebendiges ist die Natur,
Und alles ist Frucht und alles ist Samen!
Ich wollte nicht das gelbe Korn zertreten,
da fällte mich der Feind, das Korn ward rot.
Der Krieg umschritt den Acker, Männer mähten.
Von unsichtbaren Sensen sprang der Tod.
Der Tod erschrak vor meinen sechzehn Jahren,
mein Zögern war von Gottes Hand gelenkt,
und als ich fiel, da lag ich unerfahren,
ein Leuchten war in mein Gesicht versenkt.
Und wer bei mir zum Atmen niederhockte,
die Augen flackernd, angefüllt vom Krieg,
der sah mein Antlitz, und sein Fieber stockte,
die Furcht zerfloß, der laute Schrecken schwieg.
Und Sprung um Sprung geht aus von diesem Schweigen,
in weiten Wellen bricht der Angriff vor,
die Krieger wachsen aus dem Korn und steigen,
vom Tod erquickt, zum Wall des Feinds empor.
So bin ich nun ein Ackermann geworden.
Ich hab gepflügt inmitten einer Schlacht.
Mein Korn hab ich gesät ins grause Morden
und meine Ernte jung vor Gott gebracht.
Schon is' zu hoan 'z Voghele
un luzen de sain Baislen
ba 'z machet au hia in Ghertele
singanten au vor in Raislen.
Iz deme Manne pòchet
ba ghet nagene 'me NestIen.
Klaget stark un locket,
vludanten at Plumen un Estlen.
Laz sten 'z Voghele stille
un 'z Nestle ba 'z prut,
as-te-se bill haban kille,
nutz an Herze von gut.
Leise sinkt der Abend nieder,
und das Tagwerk ist vollbracht,
wenn die Götter leis´ Dich grüßen
und Dir sagen Gute Nacht.
Traulich still im heil´gen Haine,
Brüder ringsum halten Wacht,
und die Nornen spinnen leise –
auch Deinem Schicksal gute Nacht!
Letzter Abend sinkt einst nieder,
wenn mein Lebenswerk vollbracht,
und nach Walhall ich dann reise
in der Götter ew´ge Nacht!
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
Jahr: 1902
Viele Menschen traf ich im Leben,
sie klagten oder jammerten,
wollten alles, nur nicht geben,
sich selbst ans Übel klammerten.
Sie schimpften über das, was Unrecht ist,
daß alle Andern sein so blind,
bemerkten nicht des eigen Lebensfrist,
und sie ihr Lebenslenker sind.
Ihr Alle die nur hinter Wänden,
nicht handeln aber Worte goren,
habt nicht bemerkt aus euren Händen,
ihr eigen Tun schon lang verloren.
Doch sah ich auch die wenig Lichter,
die hell erstrahlen aus dem dunkel Orte,
das ehrlich Lächeln in Gesichtern,
was gesprochen große Worte.
Diese wahren Mut noch teilen,
trotz der Gefahr des eigen Pfad,
probieren Menschen auch zu heilen,
erkennen Lebens wahrhaftige Saat.
Ihr strahlend, hellen Wahrheitsschenker,
ganz gleich wie tief ein jeder litt,
seid der Menschheits-Heilungslenker,
ich bin so froh, daß es euch gibt!
Bleib du, wie du es immer warst, der Scholle
Getreuer Sohn – wie auch die rasche Welt,
Die wandelbare, ewig unruhvolle,
Ihr Schwert und ihre Siegesfahnen stellt.
Pflüg deine Erde, säe deine Saaten
Und tu das Rechte, grad und ohne Scheu,
Wie es in schwerster Zeit die Väter taten,
Nur sich selber treu!
Drei Bilder und eine Pfeife,
ein Becher und ein Stab
ist alles von meine Sachen
was ich gerettet hab.
Die Bilder will ich behalten
es sind drei Freunde lieb,
von denen jeder in Freude
und Leid mir treu verblieb.
Die Pfeife will ich zerschlagen
am ersten großen Stein,
das Lied vom alten Burschen
muß ausgepfiffen sein.
Noch einmal füll ich den Becher
am ersten klaren Quell,
dann mußt du scheiden und sterben,
du alter treuer Gesell.
Der Stab hat mich geführet
geschützet so mannigmal,
er soll mich auch begleiten
durch Berg und Wald und Tal.
Jetzt kommt, ihr Bilder, du Pfeife
du Becher und du Stab –
ihr werdet nicht erzählen,
daß ich geweinet hab.
Ach, besser wär's, ihr alten Knaben,
ein Rückgrat überhaupt zu haben.
Im Leben und daheim im Laden
und nicht bei flittrigen Paraden!
Liebe fragte Liebe: "Was ist noch nicht mein?"
Sprach zur Liebe Liebe: "Alles, alles dein!"
Liebe küßte Liebe: "Liebste, liebst du mich?"
Küßte Liebe Liebe: "Ewig, ewiglich!"
Sei künftig auf der Lebensreise,
Wie hier in diesem Buch
Die vollgeschrieb'nen Blätter, weise,
Doch berg' es vor der Menge klug,
Durch Thaten nur, nicht durch Sentenzen,
Such' mild wie Mondenlicht zu glänzen,
Moral'sche Schwätzer gibt's genug!
Jahr: 1763 - 1825
Verkennt denn euer Vaterland, undeutsche Deutsche!
Steht und gafft mit blöder Bewunderung großem Auge das Ausland an!
Dem Fremden, den ihr vorzieht, kam's nie ein, den Fremden vorzuziehen.
Er haßt die Empfindung dieser Kriechsucht, verachtet euch!
Die Fortpflanzungsverweigerung
ist die Kapitulation vor der eigenen Zukunft,
ist die Lieblosigkeit gegen sich selbst,
heißt, sein eigen Bild zu verdrängen!
Arbeit adelt, Arbeit ehrt.
Arbeit schöpft und schafft Wert.
Sie erbaut und erhält,
bedeutet Leben in der Welt!
Nach Wundern fragst du, blindes Volk,
Das Unsichtbares sehen will?
Was Knabenwitz natürlich nennt,
Hast du es schon erfaßt?
Daß über dir der Himmel sich
Mit hunderttausend Sternen dreht,
Und Sonn- und Mondenschein gebiert,
Das ist der Wunder eins.
Daß auf den Boden unter dir,
Den keine Schwelle trägt und hält,
Du fest und sicher treten kannst,
Das ist der Wunder eins.
Daß du mit Sinn und Lebenslust
Hervor aus Mutterleibe gingst.
Und jeden Morgen neu erwachst,
Das ist der Wunder eins.
Daß stärker, als Magneten-Zug,
Der Liebe süße Siegesmacht
Die Seelen aneinander drückt.
Das ist der Wunder eins.
Nach Wundern fragst du, blindes Volk?
Bedenke, daß du Etwas bist,
Und Gut und Böses wollen kannst!
Und frage fürder nicht!
Jahr: 1766 - 1828