Denn der Mensch,
der zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt ist,
der vermehret das Übel und breitet es weiter und weiter;
Aber wer fest auf dem Sinne beharrt,
der bildet die Welt sich!
Deutsche Dichter & Denker
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
Alle Dichtungen
Noch ist die Sonne warm
aber die Schwalben verschwunden
und die Stare sammeln sich
noch ist der Himmel kalt
aber das Obst fällt von den Bäumen
und nachts stehen die Sterne kalt in den Räumen
Noch gehen die Blumen im Winde hin und her
aber der Wind ist kühl
und die Bienen fliegen nicht mehr
früh sinkt die Sonne
und spät siegt ihr Licht
die Stunde des Nebels macht alles zunicht.
Und fragst Du mich, wie wir das ändern,
der Ort ist hier und nicht in aller Herren Ländern.
Und fragst Du mich, ob ich das Land verlasse,
so sage ich nein, denn hier ist alles, was ich hasse!
Jahr: 1968
Mir scheint die Zeit ein Schatz, der täglich abnimmt.
Wir haben wenig und verlieren viel,
wenn wir nicht jeden Tag als Baustein nutzen!
Wandel und Wende kennen wohl Blüte und Blatt,
Tage der Erde wissen von Anfang und Ende, -
Wer den Funken vom ewigen Feuer hat,
Lächelt der Jahre und weiß nicht von Wandel und Wende!
Völker verwehen wie Blätter vom Sturme gefegt,
Weltbrand lodert, und Tod hält Ernten auf Erden,
Wer den Funken vom heiligen Feuer trägt,
Kennt kein Vergehen und weiß nur vom ewigen Werden!
Hinaus, mein Herz, in freie Luft
Die Waffe klirrt, die Trommel ruft
Die Toten sind erstanden
Der Tag der Freiheit naht heran
Er ist's, denn blutig bricht er an
Er flammt von Land zu Landen
Heraus, du freies deutsches Wort
Du mächt'ger Nibelungenhort
Heraus, du rost'ge Schneide
Dein Rost wird weichen im Gefecht
Heraus, du mein lebendig Recht
Du meine Augenweide
Und ob auch los die Hölle sei
Wir leben frei, wir sterben frei
Wir siegen oder fallen
Steig auf, du Führer unsrer Schar
Steig auf, du freier deutscher Aar
Du herrlichster von allen
Jahr: 1848
Am Ende des Tages,
wenn der Sturm sich legt,
sind all die toten Äste
des Baumes weggefegt,
und düngen den Boden,
welchen der Wind
mit neuem Leben besät!
In dieser Stunde der Weltenwende,
In dieser Stunde grellen Zwielichts,
In dieser Zeit aller Widersprüche
Erheb ich mein Wort, den hellen Zuruf:
Laßt uns vertrauen dem waltenden Sinne,
Vertrauen dem, was Sich entzieht der Erkenntnis,
Vertrauen, der stillen Kraft unseres Wesens,
Vertrauen, der treuen Kraft unseres Volkes,
Vertrauen dem Jungen, das herrisch heraufsteigt,
Und auch dem Alten, das wirkend fortlebt.
Vertrauen Selbst noch den Untergängen,
Die sich geheim verwandeln und wirken
Und Neues gebären nach stillem Ratschluß!
Wissen möcht' ich nur, wie lange
Ich dir spielen könnt' im Haar,
Oder streicheln an der Wange,
Oder sehn ins Augenpaar;
Wissen möcht' ich, ob auf Erden
Noch ein solches Spiel es giebt.
Das man, ohne müde werden,
Treiben kann als wie man liebt!
Ein Hündchen wird gesucht,
das weder murrt, noch beißt,
zerbrochene Gläser frißt
und Diamanten scheißt!
Ich habe die Überzeugung gewonnen, daß Kinder das beste und klügste Publikum sind, das man sich als Geschichtenerzähler nur wünschen kann. Kinder sind strenge, unbestechliche Kritiker.
Die Nullen beschließen mit klugem Rat,
sich zusammenzuschließen zu einem Staat.
Und sprechen viel, wie’s jedem gefällt,
von Zweck und Ziel und Sinn der Welt,
vom ew’gen Frieden auf der Erde,
und daß es hienieden nun besser werde,
ein jeder frei im ganzen Reich
und jeder sei dem andern gleich.
Schutzleute wenig und kein Soldat,
doch jeder König im Nullenstaat.
Und drehen sich und blähen sich
und pumpen die Bäuche wie lederne Schläuche
zu quellender Fülle von perlendem Wein. –
Dann werden sie stille
und schlafen ein.
Und als sie voll des süßen Weins,
da naht die Eins
und kommt und tritt als Herr ins Haus,
da war es mit der Gleichheit aus!
Jahr: 1922
Die deutsche Sprache wird viel von ihrem Werte verlieren, wenn sie das Wort ›fromm‹ einbüßt, und das deutsche Volk entäußert sich einer Würde, wenn es sich je schämen sollte, fromm zu sein.
verbietet ruhig weiter,
wo immer sich ein Hauch von Freiheit regt!
Ist eure Willkür doch die Stufenleiter,
auf der wir aufwärts steigen unentwegt.
Sind doch Verbote nur ein Schwächezeichen
der Tyrannei, die Widerstand erzeugt.
Wir Jungen werden der Gewalt nicht weichen.
Wir bleiben glaubensstark und ungebeugt!
Verbietet nur, verbietet Recht und Ehre,
verbietet Freiheit, Volk und Vaterland!
Wir lachen über eure Geistesleere
und weinen über euren Unverstand.
Was leben will, das läßt sich nicht verbieten
mit Paragraphen, Tinte und Papier.
Ihr könnt euch Sklaven halten, Söldner mieten –
doch Deutschlands Leben, merkt euch, das sind wir!
's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
's ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich' herab?
Was hülf mir Kron' und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!
Auf einem Dampfer,
der in die falsche Richtung fährt,
kann man nicht sehr weit
in die richtige Richtung gehen.
Was wir selbst entfesselt haben,
dessen Sklaven sind wir nun.
Immer tiefer wird der Graben
zwischen uns und unserm Tun.
Immer grenzenloser schweifen
unsre Wünsche durch den Raum,
immer ehrfurchtsloser greifen
wir die Frucht vom Lebensbaum.
Doch je mehr wir wissend halten
in der fühllos armen Hand,
desto tiefer dringt Erkalten
tödlich in der Seele Land.
Wer sich nie erprobt hat
in Not und Gefahr,
was weiß der von sich!
Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ich's, weil es Wahrheit ist:
Ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen.
Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt untereinander liegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?
Jahr: 1770 - 1843
Weißt Du noch, als wir uns erstmals sahen?
Mich führten sie soeben zum Verhör,
Dich sah ich vom Verhöre eben nahen.
So traten wir uns plötzlich in die Quer.
Das war vor mehr als einundfünfzig Jahren.
Ein kurzer Gruß. Man trieb uns an zu gehen,
da war nicht recht Zeit für einen Händedruck.
Ein Grußwort schnell, nur im Vorübergehen.:
In ein paar Jahren dann. Auf Wiedersehen!
Dem Freundespakt war dieser Gruß genug.
Jahrzehnte sind seither im Flug vergangen,
in denen rastlos wir gewirkt mit Herz und Hand.
Wir pflügten und wir predigten voll Bangen,-
Auch wenn uns unsre Werke nicht gelangen,-
An jedem Tag für unser Vaterland.
Wo heute Du, mein Freund, im Kreis der Deinen
Dein Fest begehst, wird auch die Wehmut sein,
mußt‘ es doch Dir wie mir in all den Jahren scheinen:
Es war umsonst! Das Ziel, dies Volk zu einen,
das war zu groß. Wir für das Ziel zu klein.
Wie wollten wir ein ganzes Land bekehren,
wenn oftmals nicht einmal das eigne Kind
bereit schien, unsrer Botschaft zuzuhören?
Wie sollten wir die Zahl der Jünger mehren?
War alles sinnlos? Worte für den Wind?
Dennoch, mein Freund! Ich glaub’s! Die Saat wird keimen,
wenn auch auf Felsgestein der Sämann ging.
Einst sprießt das Korn hervor aus Sand und Steinen!
Einst löst den Sturm zur Freiheit , den wir meinen,
durch Flügelschlag vielleicht ein Schmetterling.
Wenn heut‘ die Sippe kommt und Du drückst Hände,
dann sag, - wenn Ihr vereint im Vaterhaus-,
daß für die Treue dankt aus ferner Fremde
ein Freund, der mit Dir kämpfte um die Wende
und mit Dir ging vom Anfang bis zum Ende,
auf Enkel hoffend, die es fechten aus.
Jahr: unbekannt
So schlaf in Ruh',
mein Söhnlein du!
Dein Vaters sprach ein freies Wort,
da führten ihn die Schergen fort
in einen Kerker weit von hier,
weit weg von mir, weit weg von Dir.
So schlaf in Ruh',
mein Söhnlein du!
Dein Vater leidet Schmach und Not,
dein Vater ist lebendig tot,
und seine Freunde bleiben fern
und sehen auch dich und mich nicht gern.
So schlaf in Ruh',
mein Söhnlein du!
Dein Vater ist ein Biedermann –
heil jedem, wer so denken kann !
Heil dir, wenn du dereinst auch bist,
was dein gefangener Vater ist!
So schlaf in Ruh',
mein Söhnlein du!
Verschlaf des Vaterlandes Nacht,
den Knechtsinn, die Despotenmacht;
Verschlaf, was uns noch drückt und plagt,
schlaf, bis der bessere Morgen tagt!
Jahr: 1841
Man muß nicht müssen, sagt ein deutscher Dichter,
Ein andrer, und der größte unter allen:
Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein.
Hat einer unrecht und der andre recht?
Und wer von beiden, dieses oder jenes?
O schwierig! Aber halt, da fällt mir ein:
Am Ende haben recht und unrecht beide.
Der Mensch ist frei, doch er bedarf ein Muß.
Nun gut, so schaffe selbst dir einen Zwang,
Ein Muß der Pflicht: dann dienst du, aber frei!
Jahr: 1807 - 1887
Es gibt eine Sorte im deutschen Volk,
Die wollen zum Volk nicht gehören;
Sie sind auch nur die Tropfen Gift,
Die uns im Blute gären.
Und weil der lebenskräftige Leib
Sie auszuscheiden trachtet,
So hassen sie nach Vermögen ihn
Und hätten ihn gern verachtet.
Und was für Zeichen am Himmel stehn,
Licht oder Wetterwolke,
Sie gehen mit dem Pöbel zwar,
Doch nimmer mit dem Volke.
Jahr: 1885
Seiet nicht so strenge,
ihr Wächter des Wortes!
Sagt also nicht,
dieser Dichter wurde verboten!
Sagt einfach nur:
Seine Gedanken wurden verstaatlicht.
Die Sprache eines Volkes angreifen,
heißt sein Herz angreifen.
Wenn der Russe über uns kommt,
kann man nur sagen fürchterlich!
Wenn der amerikanische Einfluß noch 20-30 Jahre bleibt,
ist vom deutschen Volk nichts mehr da,
wir sind nicht mehr wiederzuerkennen.
Jahr: 1981
Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd,
bei manchem ist es umgekehrt,
ein flotter Trinkspruch, zugegeben,
doch sollte man nicht danach streben.
Auch wissen wir, dass Menschen essen,
bei den Tieren heißt es fressen.
Die Schlange kann jedoch nur schlingen,
um es mal auf den Punkt zu bringen.
Man sieht so manchen Menschen laufen,
um rasch noch etwas einzukaufen,
bei den Pferden heißt das traben,
das ist nichts mehr für alte Knaben.
Die Steigerung nennt man salopp
bei unseren Pferden den Galopp,
beim Menschen sagt man dazu rennen,
um es richtig zu benennen.
Ich liebe unsere deutsche Sprache,
mit der man gut fast jede Sache
detailliert beschreiben kann,
verständlich so für jedermann.
Warum soll man in vielen Dingen
die Wörter stets in Englisch bringen?
Die deutsche Sprache ist doch schön
und sollte nicht verloren geh’n!
Die Wege diese einst bestritten,
waren nie leicht und oft gelitten,
die Zeit auch ihren Laufe nahm,
nach dem ersehnten Wunsch Enttäuschung kam.
Wer hängend Kopfe niederkniet,
durch Selbstmitleid vor sich entflieht,
anstatt den Blick erneut zu richten,
um seiner Willen aufrecht sichten.
Zurück zur eigenen Besinnung,
ein jeder von uns lebt Bestimmung,
ganz gleich wer fühlt sein eigen Last,
bis zum Ende ohne Rast.
Ich möcht nicht sterben als ihr Knecht,
gelebt als Mensch in meinem Recht,
ist die Seele tief vernarbt,
die Hoffnung bleibt,
daß Tod ein neues Leben aufbewahrt!
Ein jedes Volk bestimmt sich selbst sein Los
zu Freiheit oder Sklaverei.
Und ist das Dunkel noch so groß,
ein Weg zum Licht ist immer frei!
Auf den Nacken der Gemeinheit sah ich seine Sohle stampfen,
An des Himmels Strahlenreinheit deines Atems Stürme dampfen.
In dem Rote, draus sie stammen, sah ich Knecht und Memme kauern,
wenn aus deiner Rede Flammen Donnerkeile niederschauern.
Immer tobe, du Vernichter! Mich entzückst du! Mich entrückst du!
Immer leuchtender und lichter die Titanenwaffen zückst du.
Magst mich immerhin verderben in dem Leuchten, in dem Lodern:
Besser in der Flamme sterben, als im faulen Schlamme modern!
Jahr: 1822–1847
Das Leben selbst ist unser Gott,
Leiht guter Wehr und Waffen,
Damit wir uns nach niedrer Not
Des Geistes Freiheit schaffen!
Wir sind die Erde.
Erdhaft fest verbunden
Dem Weltensinn, der uns erschuf.
Wir können nichts als wachsen oder sinken
So tief verwurzelt sind wir unserem Sein.
Ihr aber schreitet...
Bleibt bei uns und geht vorüber.
Das Leben treibt euch hin durch tausend Welten.
Uns bleibt nur Eins:
Stille sein und warten
Und sein für Euch solch letzte Erdengabe
Wie Heimat und wie Mutter sein...
Wie Erde...
Jeweils in den Häusern herrschend in den Emporen,
War ich kein Freund der niederen Kammern an den Toren.
Unten flutete alltäglichen Trubels Strom,
Oben läuteten die Winde wie im Dom.
Wenn in den Wintern eisene Zinnen standen,
Kühle Boten kamen aus den nordischen Landen:
Oben breiteten sich weithin weiße Gehänge,
Unten beschmutzte sie vieler Füße Gedränge.
Sonniger Tage Glanz durch hölzerne Gestühle,
Ich durchlebte euch ganz im höheren Gefühle!
Wenn ich nieder zum Tor sinkende Stufen stieg,
Fand kein Singen das Ohr, und das Lichtgetön schwieg.
Dennoch härmten sich meine Sinne wund,
Dennoch wurde mir deutliche Botschaft kund,
Die die Strahlen und Winde auf den Fittichen führen:
Größe und Ewigkeit sind nicht hinter Türen!
Tue die Tore auf! Gehe ins Land hinaus!
Lerne der Welten Lauf, lerne die Schöpfung aus!
Hebe die Füße nur! unten, da sieh dich für,
Wo die Kümmerlinge wohnen an der Tür!
Niemals wohnt hoher Sinn an den Kammern am Tor,
Aus den Räumen am Licht nur geht er hervor,
Weiten muß er sich, da, wo man fällt und fehlt –
Bis zur Heimkehr zum Licht, groß, frei, und gestählt!
Nun naht des Jahres gnadenvollste Zeit
Im blassen Gold der heilgen Ährenreife,-
Mir wars, als ob mit schrillem Singen heut
Schon erster Sensenklang feldüber streife.
Und in der Gärten stilldurchsonnter Luft
Blühn hell und reich die letzten Sommerrosen,
Die blassen gelben mit dem schweren Duft,
Und süßgedrängt die dunkelroten, losen!
Trink ein, mein Herz, trink ein mit vollem Schlag
Den starken Trunk von Sonne, Duft und Farben,-
Stehst du nicht auch wie dieser Sommertag
In letzten Rosen und in ersten Garben!
Von allem, was die Menschen erfunden und ausgedacht, bei sich gehegt und einander überliefert, was sie im Verein mit der in sie gelegten und geschaffenen Natur hervor gebracht haben, scheint die Sprache das größte, edelste und unentbehrlichste Besitztum. Unmittelbar aus dem menschlichen Denken empor gestiegen, sich ihm anschmiegend, mit ihm Schritt haltend, ist sie allgemeines Gut und Erbe geworden aller Menschen, das sich keinem versagt, dessen sie gleich der Luft zum Atmen nicht entraten könnten!
Wenn auch die nächsten Menschen uns verließen,
Wenn selbst der Freundschaft Sonne nicht mehr loht',
Ja, träf' sogar des Herzens heiße Liebe
Im Wechseltanz der Zeit ein jäher Tod,
Du, Mutterliebe, wirst uns immer bleiben;
Verachtung, Spott, Du trägst es treulich mit;
Du segnest uns, Du linderst all die Qualen,
Die Deines Herzens Stolz, Dein Kind erlitt.
O Mutterliebe, die wir oft belächeln,
Und deren Sorgfalt wir so gerne flieh'n,
Du leuchtest herrlich, wenn die düstern Wolken
Vor unsres Daseins gold'ne Sterne ziehn;
Gleichwie aus einem ewig-reichen Füllhorn,
So streust Du Deiner heil'gen Gaben Flut,
O Mutterliebe, der wir alles danken,
Du bist der Erde reinste, höchste Glut!
Geh' wieder über die Äcker hin,
Lieg' wieder im stillen Walde:
Ist noch das alte Buchengrün,
Die alte Hügelhalde.
Der Gotenstein, der graue Fels,
Ragt noch wie einst in die Lüfte,
Trägt noch den alten moosigen Pelz,
Schaut stumm auf versunkene Grüfte.
Und drüber spannt sich der Himmel aus
Mit seiner stillen Bläue –
In meiner Seele regt sich was,
Wie eine geheime Reue!
Jahr: 1864
O Wonnequell, so nehm‘ ich Sinn und Sein:
Ich trinke dich wie Tau in mich hinein,
Ich sauge dich in aller Welten Grund,
Ich küsse dich mit aller Frauen Mund;
Ich blühe Dir mit aller Blumen Blüh’n,
Ich glühe dir mit aller Herzen Glüh’n,
Ich lebe dir mit aller Seelen Sein
Ich glänze dir mit aller Sterne Schein.
Ich flamme dir mit aller Sonnen Tag,
Ich juble dir mit aller Lerchen Schlag,
Ich süße dich mit aller Früchte Kranz,
Dir blitze ich im Heldenaugen-Glanz;
Daß ich dich ewig neu gebären muß,
Das dank ich dir mit aller Mütter Kuß,
Mit jeder Faser, die in mir erbebt,
Mit jedem Hauch, in dem dein Leben lebt.
O Gott und Gatte, Wodan, nimm mich hin!
In dir von Sinnen sein ist all‘ mein Sinn!
Ich danke dir, Urmächtiger und Mann,
Daß ich dir Lust und Leben spiegeln kann,
Und wo dein Müdes sich im All vergreist,
Leg‘ ab die Hülle, ew’ger Gott und Geist:
Im Schoß der Mutternächte reife du
Unendlich deinem ew‘gen Lichte zu.
Als von des Friedens heilgen Talen,
Wo sich die Liebe Kränze wand,
Hinüber zu den Göttermahlen
Des goldnen Alters Zauber schwand,
Als nun des Schicksals ehrne Rechte,
Die große Meisterin, die Not,
Dem übermächtigen Geschlechte
Den langen, bittern Kampf gebot,
Da sprang er aus der Mutter Wiege,
Da fand er sie, die schöne Spur
Zu seiner Tugend schwerem Siege,
Der Sohn der heiligen Natur;
Der hohen Geister höchste Gabe,
Der Tugend Löwenkraft begann
Im Siege, den ein Götterknabe
Den Ungeheuern abgewann.
Es kann die Lust der goldnen Ernte
Im Sonnenbrande nur gedeihn;
Und nur in seinem Blute lernte
Der Kämpfer, frei und stolz zu sein;
Triumph! Die Paradiese schwanden,
Wie Flammen aus der Wolke Schoß,
Wie Sonnen aus dem Chaos, wanden
Aus Stürmen sich Heroen los.
Der Not ist jede Lust entsprossen,
Und unter Schmerzen nur gedeiht
Das Liebste, was mein Herz genossen,
Der holde Reiz der Menschlichkeit;
So stieg, in tiefer Flut erzogen,
Wohin kein sterblich Auge sah,
Stillächelnd aus den schwarzen Wogen
In stolzer Blüte Cypria.
Durch Not vereiniget, beschwuren
Vom Jugendtraume süß berauscht
Den Todesbund die Dioskuren,
Und Schwert und Lanze ward getauscht;
In ihres Herzens Jubel eilten
Sie, wie ein Adlerpaar, zum Streit,
Wie Löwen ihre Beute, teilten
Die Liebenden Unsterblichkeit. –
Die Klagen lehrt die Not verachten,
Beschämt und ruhmlos läßt sie nicht
Die Kraft der Jünglinge verschmachten,
Gibt Mut der Brust, dem Geiste Licht;
Der Greise Faust verjüngt sie wieder;
Sie kömmt, wie Gottes Blitz, heran,
Und trümmert Felsenberge nieder,
Und wallt auf Riesen ihre Bahn.
Mit ihrem heilgen Wetterschlage,
Mit Unerbittlichkeit vollbringt
Die Not an Einem großen Tage,
Was kaum Jahrhunderten gelingt;
Und wenn in ihren Ungewittern
Selbst ein Elysium vergeht,
Und Welten ihrem Donner zittern –
Was groß und göttlich ist, besteht. –
O du, Gespielin der Kolossen,
O weise, zürnende Natur,
Was je ein Riesenherz beschlossen,
Es keimt' in deiner Schule nur.
Wohl ist Arkadien entflohen;
Des Lebens beßre Frucht gedeiht
Durch sie, die Mutter der Heroen,
Die eherne Notwendigkeit. –
Für meines Lebens goldnen Morgen
Sei Dank, o Pepromene, dir!
Ein Saitenspiel und süße Sorgen
Und Träum und Tränen gabst du mir;
Die Flammen und die Stürme schonten
Mein jugendlich Elysium,
Und Ruh und stille Liebe thronten
In meines Herzens Heiligtum.
Es reife von des Mittags Flamme,
Es reife nun vom Kampf und Schmerz
Die Blüt am grenzenlosen Stamme,
Wie Sprosse Gottes, dieses Herz!
Beflügelt von dem Sturm, erschwinge
Mein Geist des Lebens höchste Lust,
Der Tugend Siegeslust verjünge
Bei kargem Glücke mir die Brust!
Im heiligsten der Stürme falle
Zusammen meine Kerkerwand,
Und herrlicher und freier walle
Mein Geist ins unbekannte Land!
Hier blutet oft der Adler Schwinge;
Auch drüben warte Kampf und Schmerz!
Bis an der Sonnen letzte ringe,
Genährt vom Siege, dieses Herz!