Deutsche Dichter & Denker

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Meinem Freund Herbert Fritz zum Geburtstag

Meinem Freund Herbert Fritz zum Geburtstag

Weißt Du noch, als wir uns erstmals sahen?
Mich führten sie soeben zum Verhör,
Dich sah ich vom Verhöre eben nahen.
So traten wir uns plötzlich in die Quer.
Das war vor mehr als einundfünfzig Jahren.

Ein kurzer Gruß. Man trieb uns an zu gehen,
da war nicht recht Zeit für einen Händedruck.
Ein Grußwort schnell, nur im Vorübergehen.:
In ein paar Jahren dann. Auf Wiedersehen!
Dem Freundespakt war dieser Gruß genug.

Jahrzehnte sind seither im Flug vergangen,
in denen rastlos wir gewirkt mit Herz und Hand.
Wir pflügten und wir predigten voll Bangen,-
Auch wenn uns unsre Werke nicht gelangen,-
An jedem Tag für unser Vaterland.

Wo heute Du, mein Freund, im Kreis der Deinen
Dein Fest begehst, wird auch die Wehmut sein,
mußt‘ es doch Dir wie mir in all den Jahren scheinen:
Es war umsonst! Das Ziel, dies Volk zu einen,
das war zu groß. Wir für das Ziel zu klein.

Wie wollten wir ein ganzes Land bekehren,
wenn oftmals nicht einmal das eigne Kind
bereit schien, unsrer Botschaft zuzuhören?
Wie sollten wir die Zahl der Jünger mehren?
War alles sinnlos? Worte für den Wind?

Dennoch, mein Freund! Ich glaub’s! Die Saat wird keimen,
wenn auch auf Felsgestein der Sämann ging.
Einst sprießt das Korn hervor aus Sand und Steinen!
Einst löst den Sturm zur Freiheit , den wir meinen,
durch Flügelschlag vielleicht ein Schmetterling.

Wenn heut‘ die Sippe kommt und Du drückst Hände,
dann sag, - wenn Ihr vereint im Vaterhaus-,
daß für die Treue dankt aus ferner Fremde
ein Freund, der mit Dir kämpfte um die Wende
und mit Dir ging vom Anfang bis zum Ende,
auf Enkel hoffend, die es fechten aus.


Jahr: unbekannt