Radbot stand, der wilde Friesenkönig,
An dem Fluß, die Taufe zu empfahen,
Um ihn her die Priester, frohen Mutes,
Durch des Wankelsinnigen Bekehrung
Endlich doch der Mühen Lohn zu ernten.
Und er setzt den Fuß schon in die Welle,
Als er plötzlich hält: Noch eines mußt du
Mir verkünden, Bischof! Meine Väter,
Alle meine Ahnherrn, da sie starben,
Sag es frei, wohin sind sie gekommen?
In die Hölle, sprach der fromme Bischof,
Deine Väter, die als Heiden starben,
König Radbot, fuhren in die Hölle
Das entrüstete den wackern Degen:
Schlechter Priester rief er, meine Väter,
Meine Väter waren tapfre Männer!
Lieber will ich, ja bei Wodan schwör ich's,
Mit den Helden sein in ihrer Hölle,
Als mit euch in euerm Priesterhimmel
Sprach's und eilte trotziglich von dannen!
Geächtet, verbannt von Kaiser und Land,
Verschollen im Kerker und Ketten,
Und alle Freunde von ihm gewandt,
Und sein Schwert kann ihn nicht erretten! -
Doch fern im heimischen, nordischen Gau
Vernahm's die geliebte, getreue Frau.
Sie stieg von der hohen Burg herab,
Umtost von schneidenden Winden,
Und zog die Straßen auf und ab,
Den Heißgeliebten zu finden,
Mit blutendem Fuß, mit zerrißnem Kleid
Und tief im Herzen der Liebe Leid.
Sie fragte die Straßen hin und her:
"Oh sprecht, habt ihr ihn gesehen?" -
Doch keiner sagte noch wußt' es mehr,
Und alle hießen sie gehen.
Sie aber wanderte weiter durchs Land,
Bis daß sie vor seinem Kerker stand.
Sie konnt' ihn nicht hören, nicht schau'n sein Gesicht,
Nicht Freiheit, noch Einlaß erwerben,
Wich Tag und Nacht von dem Kerker nicht,
Wollt' lieber mit ihm verderben,
Mit blutendem Fuß, mit zerrißnem Kleid,
Im treuen Herzen der Liebe Leid!