Hört ihr den Ruf, der im Sturm über Deutschland dröhnt,
Der böse und rauh aus den Tiefen der Nächte stöhnt?
Not! Not!
Deine Kinder, Deutschland, weinen hungrig nach Brot,
Deine Speicher sind leer, dein Acker trägt Hungerfurcht,
Dein Rat geht irr, deine Tat ist von Gott verflucht,
Deine Schlote, die sich zum Himmel recken,
Rauchen nicht mehr,
Hände, die sich nach Arbeit strecken,
Müssen feiern und bleiben leer!
Und der dich knutet und knechtet mit eiserner Hand,
Kennst du sein flammendes Antlitz, kennst du mich, Land?
Mein ist die Erde, mein die Macht und der Sieg –
Ich bin der Krieg!
An eure Tore schlug ich drei Jahre und vier,
Endlich sprengte mein Schlag die verschlossene Tür,
Und das feste Haus, das ehemals Deutschland hieß,
Brach ein, als mein zorniger Atem dagegenstieß!
Über die Trümmer klirrte mein erzener Schritt,
Eure Städte dröhnten vor meinem Tritt,
In eure Mauern, die vor mir splitterten wie Glas,
Schmiß ich die Brände, rote Brände von Haß, –
Und ich lache laut, wenn es prasselt und frißt und brennt,
Wenn Zwietracht gellt und Bruder den Bruder nicht kennt,
Wenn der Hunger bettelnd das Land durchirrt,
Meine Kette eisern am Fuß euch klirrt,
Meine Last euch wie Blei auf den Schultern liegt
Und noch Enkeln knechtisch den Nacken biegt;
Mein ihr alle, ich bin der hungrige Tod –
Not! Not! Not!
Millionen horchen und stöhnen in dumpfer Qual,
Liegen im Staub, die Stirnen gebückt und fahl,
Millionen ballen die Fäuste, beten und schrei’n,
Und über die Erde fliegt es wie Feuerschein, –
Da horch! das Lied, das hoch über Deutschland singt,
Wie wenn aus märzblauer Luft eine Lerche klingt:
Licht! Licht!
Volk, glaube der Stimme der ewigen Dunkelheit nicht!
Hebe das Haupt, horche und spähe landein, –
Siehst du nicht über den Äckern den grünen Schein?
Hörst du nicht über die Berge im Morgenwehn
Meine Füße, die Füße des Friedens gehn?
Arm wohl kam ich, irre im Bettlerkleid,
Eine Krone von Dornen, trage ich euer Leid, –
Vor mir aber, wohin ich schreite im Land,
Sinken die Flammen, wird Faust zu betender Hand!
Graut euch vor ihm, der Zorn und Verderben droht?
Ich bin das Leben, Leben ist stärker als Tod!
Ich weiß ein Wort, das die Not, die eiserne, zwingt,
Ein Wort, das wie Weckruf der Zukunft klingt,
Das Wunder tut und Ketten zerreißt –:
Das heilige Wort, das da Bruder heißt!
Am kalten Herde kauert frierende Not? –
Ich spreche das Wort – und siehe, das Wort wird Brot!
Auf kargem Acker wuchern Distel und Dorn? –
Ich spreche das Wort – und siehe, reif wogt das Korn!
Hammer und Räder rosten, es feiert die Faust? –
Ich spreche das Wort – und siehe, es pocht und es braust!
Verfallen das Haus, das ehemals Deutschland hieß,
Weil jäh ein zorniger Atem dagegen stieß? –
Ich spreche das Wort – und siehe, es hebt sich neu,
Über den Trümmern steigt es strahlend und frei,
Von schaffender Hand erbaut und schaffendem Geist –:
Das heilige Haus, das da Deutschland von morgen heißt!
Seht ihr es steigen? Erfüllt eurer Väter Traum!
All seinen Kindern bietet es Dach und Raum,
All seinen Kindern bietet es Brot und Rast,
Keiner steht vor dem Tor, ein vergeßner Gast.
Und über den Pforten, hoch übers Land zu sehn,
Soll das Wort der Zukunft, das heilige Bruder stehn!
Hört ihr mich rufen? Wer will mit Werkmann sein?
Fügen zum heiligen Baue mir Stein auf Stein,
Säen in deutsche Erde der Zukunft Saat,
Wirken aus deutschem Geiste der Zukunft Tat?
Schaffende Hände ruf’ ich und schaffendes Haupt,
Jeden, der an ein Ewiges Deutschland glaubt!
Jeden, dem das Blut in den Adern brennt,
Wenn einer den heiligen Namen nennt!
Seht ihr, seht, wie es klar aus den Wolken bricht! –
Licht! Licht! Licht!
Millionen horchen, dann bricht es los wie ein Schrei:
Wir kommen! Wir säen! Wir bauen! Wir sind dabei!
Wir sind dabei!