Im Dunkel des Gestern müssen wir graben
Zu finden des Volkes Leben und Geist
Vergessen liegen Märchen und Sagen
Die Quelle des Glaubens, die Seelenkraft heißt
Wie mühselig lange müssen wir schürfen
Bis tief unter dem Abraum der Zeit
Nach endlosen Wirren, vergeblichen Würfen
Die goldene Kammer vom Riegel befreit
Drum wollen die Lauen vom Werke nicht wissen
Das Zähe und Arbeit fordernd verlangt
Dienen stattdessen der Scheinwelt beflissen
Die brüchig geworden im Innersten wankt
Drum blicken die Feigen mutlos zu Boden
Durchs Leben getrieben ängstlich und klein
Die nichtigen Träume sind ihnen zerstoben
Sie winden und wandeln als nagende Pein
Doch wenn wir den Riegel von Eisen nicht sprengen
Stolpern wir weiter in fauligem Kot
Strampeln vergeblich in bleiernen Fängen
Täglich begleitet von Abgrund und Not
Mehr Hoffnung als Aussicht führt uns zu Werke
Drückt Spaten und Pflug uns schwer in die Hand
Mehr Verachtung der Welt als eigene Stärke
Lassen uns streben und streiten für des Reiches Bestand
Deutsche Dichter & Denker
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