Deutsche Dichter & Denker

Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige!
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Antibarbarus

Antibarbarus

Sie schicken in die Lande
Der Wanderredner viel,
Zu künden uns’re Schande
Und unser frevles Spiel.
Wie wir den Bund zerrissen
Aus Lust der Teufelei –
Wir kennen’s längst und wissen
Die ganze Litanei!

Wir haben Haß gestiftet,
Auf daß die Eintracht sprießt,
Wir haben Brunnen vergiftet
Und Säuglinge gespießt.
Wir haben Wiegen begossen
Mit Öl und angesteckt,
Wir haben Frauen erschossen
Und Kirchen mit Blut befleckt.

Wir haben hilflose Knaben
Gewürgt, wo wir gekonnt,
Wir haben Wunden begraben,
Lebendig, hinter der Front.
Wir rissen die goldenen Tressen
Dem Sterbenden vom Leib,
Und trieben bei Teufelsmessen
Verbuhlten Zeitvertreib.

Wir spielten mit Qual und Jammer,
Mit Marterpfahl und Flamm’,
Der Teufel im Hexenhammer
War neben uns ein Lamm.
Nie hat die Höllenkohorte
So roh die Welt bekriegt –
Kürzer, mit einem Worte,
Ihr Herren: wir haben gesiegt!

Und wenn wir weiter siegen –
So tönt der Schreckensschrei –
Dann wird die Welt erliegen
Stinkender Barbarei.
Dann fällt dem blutigen Hasse
Zum Opfer, todesbereit,
Die britische Edelrasse,
Die Hellas jetzt befreit.

Dann werden gemeine Verführer
Der unterjochten Welt,
Wie Goethe, Kant und Dürer,
Als Götzen aufgestellt.
Dann zieh’n wir aus dummer Marotte
Selbst Russen zur Arbeit heran,
Dann zieh’n die Pariser Kokotte
Nicht mehr die Moden an.

Dann spielt man in Monte Kegel
In der einstigen Gaunerschul’,
Dann nimmt der englische Flegel
Im Gasthof die Beine vom Stuhl.
Dann räumt man Müll und Fäkalien
Von serbischen Straßen fort,
Dann lernt man sogar in Italien
Vielleicht zu halten sein Wort!

Das darf nicht sein! Als Nabel
Fühlt London sich der Welt;
Es hat das Maul und die Kabel,
Der Yankee gibt Waffen und Geld.
Und Gurkhas und Hottentotten
Peitscht’s in die Schlacht – juchhei,
Um endlich auszurotten
Die deutsche Barbarei.